Dienstag, 20. Oktober 2015

Wie alles anfing





Eine ganz persönliche Schachgeschichte

Folge 1: 
Das Schachspielen beigebracht hat mir ein rundlich-gutmütiger Onkel aus dem Mühlheimer Verwandtenkreis meines Stiefvaters. Wahrscheinlich dauerte ihn meine Langeweile bei diesen gelegentlichen sonntäglichen Treffen, wo ich mit meinen 8 Jahren doch kein allzu großes Interesse an den Erwachsenengesprächen hatte.
 

So groß die Herzensgüte dieses Onkels auch gewesen sein mag, mit seinen Spielkünsten war aber es nicht allzuweit her, so dass ich schon recht bald meistens gewann.
   Dies erweckte wohl die Aufmerksamkeit meines Sriefvaters, so dass er zuhause ein Schachspiel zutage förderte und mich herausforderte. Nach zwei vernichtenden Niederlagen warf er das Handtuch, schenkte mir das Schachspiel und meldete mich in dem Höseler Schachverein an. Einzige Bedingung: Vor dem sonntäglichen Spielen in der Dorfkneipe musste ich zuvor den Gottesdienst in der gegenüberliegenden katholischen Kirche besuchen.

 

Nein, die Vermutung, dass mein Stiefvater damals ein strenggläubiger Katholik gewesen sei, ist vollkommen falsch. Er war nichtgläubig, aber der Ansicht, dass eine katholische Glaubens-Erziehung mir nicht schaden würde. Ein bißchen seltsam fand ich das schon, aber hinterfragte es auch nicht weiter. 
   Und so ließ ich Sonntag für Sonntag – die damals aus meiner Sicht - recht langweiligen Gottesdienste über mich ergehen, um dann mit um so größerer Begeisterung die Strassenseite zu wechseln und in einem großen, recht dunklen Hintersaal der Dorfkneipe mit alten, meist Zigarre rauchenden Männern die „Püppchen“ über das Schachbrett zu schieben
 

(Fortsetzung folgt)

Freitag, 14. August 2009

Der entfernte Freibauer und seine Macht (1)


Zu Beginn ein einfaches Beispiel, um die Macht eines entfernten Freibauern zu demonstrieren









Beide Seiten haben einen Freibauern, aber im Verhältnis zu den übrigen Bauern am Königsflügel ist der weiße a-Bauer der weiter entfernte. Und dies wirkt sich auf das Ergebnis der Partie aus:

1. a6

Dieser Bauer droht jetzt bis zum Umwandlungsfeld durchzumarschieren. Früher oder später muss sich der schwarze König um ihn kümmern.

1. ... Kb6
2. Kd5 Kxa6
3. Kxd6 Kb6






Der Effekt des entfernten Freibauern ist hier eindeutig. Der weiße König is schneller bei den gegnerischen Bauern und wird sie erobern und zumindest einen (Gewinn-) bauern überbehalten.


***


Das nächste Beispiel stammt aus einer Partie zwischen
Lasker - Beratende

(Weiss am Zuge)






Auf dem ersten Blick mag es ja so aussehen, als ob Schwarz die bessere Bauernstruktur und somit vielleicht auch die bessere Stellung hätte. Aber der Schein trügt. Der potentielle entfernte Freibauer auf der h-Linie ist der entscheidende Faktor in dieser Stellung
1. Kf2

Der König bewegt sich erst einmal ins Zentrum!


1 .... a5
2. Ke3 Ke6 3. h4!


Nun droht die Freibauernbildung mit g4 und h5. Damit ist der schwarze König an die Kette gelegt. Er kommt maximal bis d5! (Quadratregel)


Damit wird aber auch klar, dass der Vorteil der besseren Bauernstruktur am Damenflügel ohne Wert ist. Aus eigener Kraft können die drei schwarzen Bauern keinen Freibauern erzeugen


3. ... a4
4. Ke4 a3 5. g4




Der Rest is schnell erzählt:

5. ... Kf6
6. c4 Ke6
7. c5 Kf6
8. h5!


Die entscheidende Ablenkung!

8. ... gxh5
9. gxh5 Kg5
10. Kxe5 Kxh5
11. Kd6


und nun fallen der schwarze b- und c-Bauer


1-0




***

Unser nächstes Beispiel stammt aus einem vote game bei chess.com:








Aufgabe :

Wie könnte Weiss hier gewinnbringend in ein besseres Enspiel abwickeln?


(Antwort demnächst. - Bis dahin können Vorschläge im Kommentar gegeben werden. Oder mir per e-mail an vonbuenau@googlemail.com zugesandt werden)