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Wir alle haben ja gelernt, dass Springer und Läufer etwa einem gleichen materiellen Gegenwert entsprechen ( = 3 Bauern) .
Aber natürlich liegen die Dinge nicht immer so einfach. Der Wert von Springer und Läufer ( wie übrigens von jeder anderen Figur) ist abhängig von ihrer Umgebung und den konkreten Umständen,
Schauen wir uns einmal folgende Position an:
A) Wie würdet ihr die Stellung beurteilen?
B) Wie sähe euer Plan mit Schwarz aus?
















8
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b
c
d
e
f
g
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h
7
7
6
6
5
5
4
4
3
3
2
2
1
a
b
c
d
e
f
g
h
1
Schwarz am Zuge
In dieser Stellung ist natürlich augenfällig, dass es hier einen sehr gut postierten Springer und recht passiven Läufer gibt. - Der Springer greift den schwachen Bauern f2 an und der Läufer verteidigt ihn.
Wie wir aber schon oft gehört haben, reicht das Spiel gegen eine Schwäche meist nicht zum Gewinn aus. Zumal hier hinzukommt, dass der schwarze König nicht in die weiße Stellung eindringen kann.
Wie also soll Schwarz sein Spiel verstärken?
Er hat sich vfermutlich auf die Suche nach einer zweiten Schwäche begeben! Und hier das Ergebnis seiner Suche:
















8
a
b
c
d
e
f
g
8
h
7
7
6
6
5
5
4
4
3
3
2
2
1
a
b
c
d
e
f
g
h
1
Er räumt das Feld f5 für den Springer. Von dort aus kann er Druck gegen die Bauern g3 und d4 ausüben. Sieht Weiss sich genötigt gxf4 zu spielen, wird sofort der weiße h-Bauer schwach.- Und der schwarze König erhält Gelegenheit, am Königsflügel aktiv zu werden.
So war also
45. ...f4!
der richtige Zug und er hatte auch sofort geschehen müssen, da Weiss es sonst mit Ke3 ein für allemale hätte verhindern können
Fortsetzung folgt
Letztens baute ich folgende Stellung am Demobrett auf und wies auf den Tg6 hin: "Ist das eher ein aktiver oder eher ein passiver Turm?"
Ein Moment Schweigen und dann kam die etwas überraschende Antwort:"Also der hat noch Luft nach oben!"
Also ich denke, dass man dies hätte kaum passender formulieren können :-)
Grefe - Torre
(Cleveland 1975)


















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b
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f
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5
5
4
4
3
3
2
2
1
a
b
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d
e
f
g
h
1
In der Tat ist es so, dass der Turm im Moment trotz der halboffenen g-Linie eine eher passive Rolle spielt. Ein Turm braucht halt offene Linien, um so richtig zur "Hochform" aufzulaufen.
Und hier zögerte der Schwarzspieler nicht, sich eine offene Linie zu verschaffen:
27. ... h5!
Nun wird sich entweder die g-oder h-Linie öffnen!
28. Te3 h4!
Jetzt oder nie! Andernfalls spielt Weiss im nächsten Zug selber h4
29. Kb3 !?
Entschließt sich die h-Linie sich öffnen zu lassen.
***
[Die Alternative war:
29. gxh4 Tg4! ( Der "aktive" Turm ...) 30. Th3 Txf4 ( .... erobert den wichtigen f-Bauern) 31. h5 Tg4 ( Der Turm kehrt zurück ...) 32. h6 Tg8 33. h7 Th8 ( ... stoppt rechtzeitig und den Freibauern
















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3
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1
Hier ist klar, dass mithilfe des schwarzen Königs der h7-Bauer fallen wird. Der verbleibende h2-Bauer ist keine Kompensation für die drei Freibauern auf der e+ f-Linie.Schwarz steht klar besser ]
***
29. ...hxg3 30. hxg3
Jetzt ist die h-Linie aufgegangen
30. ...Th6!
und wird sofort in Besitz genommen
31. Le2 Th1
Und der Turm ist in die weiße Stellung eingedrungen und total "aktiv"!
















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Schwarz gewann die Partie im 54. Zug