Montag, 25. Mai 2009

Smyslow - oder die Kunst der Vereinfachung


In meinem vorletzten Beitrag habe ich sehr Akiba Rubinstein für sein kristallklares Positionsspiel gerühmt. Habe ich seine Partien in meiner Jugendzeit "geliebt", so habe ich den den letzten Jahren die Partien des 7.Weltmeisters

Vasily Smyslov


für mich als Quelle der Inspiration entdeckt.


Meiner Ansicht nach bestand seine große Kunst darin, eine Partie in ein gewonnenes Endspiel zu vereinfachen. Es gibt etliche Beispiele hierfür. Eines aus dem Jahre 1946 habe ich mir hierfür ausgesucht:

Smyslow -Vidmar
(Groningen 1946)



Es ist nicht schwierig zu erkenne, dass Weiß hier einen deutlichen materiellen Vorteil hat. Der Mehrbauer am Königsfügel sichert auf jeden Fall bessere Endspiele.-

Dennoch ist die sache nicht ganz so einfach, zumal die ungleichfarbigen Läufer doch eine hohe Remistendenz in sich bergen.-

Symslow`s Plan ist erstaunlich einfach. Er strebt den Abtausch seines ungleichfarbigen Läufers an und hat dabei keine Angst for etwaigen Turmabtäuschen

20. Lf4!

Wegen des Bauern c7 kann Schwarz sich diesem Abtausch nicht entziehen

20. ... h6 21. Sd2!

Wieder sehr gut gespielt. Der Springer strebt nach Tausch auf d6 über c4 (oder e4) eben dahin

21. .. .g5

Vielleicht nicht die beste schwarze Möglichkeit. Aber es ist nicht einfach für Schwarz sich dem genial einfachen Plan des Weißen zu entziehen

22. Lxd6 cxd6 23 Sc4!


Das droht nun wirklich unangenehm auf d6 einzusteigen. Schwarz versucht sich durch Abtäusche aus der Affaire zu ziehen.

23. ...Txe1 24. Txe1 d5 25. Sd6!

Es droht jetzt wirklich unangenehm 26. Te7+

25. ...Kf6 26. Sxf5!

Vereinfachung ...

26. ... Kxf5 27. Te7! Tb8

in ein gewonnenes Turmendspiel. Der aktive Turm und der Mehrbauer sind zuviel des "Guten"!