Dienstag, 28. Juli 2009

Das perfekte Zusammenspiel der Figuren - ein gutes Beispiel!


Wie das perfekte Zusammenspiel der Figuren zu einem spielentscheidenden Faktor werden kann , zeigte sich jüngst beim Dortmunder IM-Turnier.


Hier demonstrierte der junge Düsseldorfer Trella ( noch kein IM) , dass er vermutlich zu "Höherem" berufen ist. Hier aus seiner Partie mit Schwarz gegen den ebenfalls noch recht jungen Zelbel

Nach nur wenigen Zügen erreichten sie folgende Stellung:




Mal ehrlich, würde hier jemand denken, dass Schwarz allen Grund hat auf Gewinn zu spielen?

Auf den ersten Blick hat man doch eher das Gefühl, dass es sich hier um eine eher remisliche Situation handeln würde. Reduziertes, gleiches Material, Bauernsymmetrie, ungleichfarbige Läufer ...

Bei genauerem Hinsehen aber zeigt sich, dass Schwarz einen kleinen Entwicklungsvorsprung besitzt. Und den weiß er nun wirklich meisterhaft zu nutzen:

15. ....Tc8

Natürlich, Türme gehören auf offene Linien!

16. h3 Lf5 17. Ld2 Tc2 18.Lc3




Nun ist der Turm ist dem weißen Turm der Rückweg versperrt. . Wird er sich in der weißen Stellung können? Nur dann hätte Schwarz weiterhin Erfolgsaussichten!

18. ...Bd3

dies verhindert erst einmal die kurze Rochade und droht Te2+ nebst Bauerngewinn entweder auf f2 oder b2

19. Td1

Verhindert den direkten Bauerngewinn! 19. ...Te2 20. Kf1 Txb2 ?? 21. Txd3 Tb1+ 22. Le1 und Weiß hätte eine Figur mehr

19. ...Be2!!




Nur mit diesem Zug weicht Schwarz dem sicheren Remis aus. Andernfalls kommt nach einem Läuferrückzug (beispielsweise nach g6) einfach Td2 und Turmtausch beziehungsweise Zugwiederholung mit Tc1/Tc2 ist unausweichlich

20. Tb1

Der Turm muss weichen. 20. Td2? Tc1+ 21 Kxe2 Txh1 hätte einfach die Qualität gewonnen

20. ... Kd7!

Schwarz entwickelt sich ruhig weiter. Nun soll der bislang inaktive Turm auf die offene e-Linie gebracht werden

21. Ld2 Te8 22. Le3 Ld3!




Nun droht Materialgewinn mit 23 ... Te2+ und 24. ...Txe3 nebst Lxb1.-

Man kann an diesem Diagram sehr schön erkennen,- insbesondere wenn man es mit dem ersten vergleicht - wie sehr Schwarz seine Figurenspiel aktiviert hat und wie gut die schwarzen Figuren schon zusammenarbeiten.-

Genau der Mangel an aktivem und gutem Zusammenspiel der Figuren ist aber das Problem des Weißen. Ein Problem, was er in dieser Partie auch nicht mehr vollständig gelöst bekommen sollte. Ich werde darauf noch einige Male hinweisen

23. Kd1

Weiß wählt das kleinste Übel. 23. Td1 Te2+ 24. Kf1 Txe3+ 24. Kg1 Te1+ hätte eine Figur gekostet. Jetzt verliert er "nur" einen Bauern!

23. ... Txf2 24. Lxf2 Lxb1





Alles halb so schlimm möchte man meinen. Weiß ist nun einen Bauern im Nachteil, aber er ist den turm auf der zweiten Reihe losgeworden und die ungleichfarbigen Läufern sollten eigentlich für ein Remis gut sein.

25. a3 Le4!

Nun zeigt sich, dass die Stellung doch unangenehmer als vermutet ist. Erneut droht nun ein schwarzer Turm über die c-Linie in die weiße Stellung einzudringen

26. Th2!

Weiß entscheidet sich richtigigerweise um die zweite Reihe zu kämpfen

26. .... Tc8 27. g3 Lc2 +

Das Eindringen des Turmes hätte nicht viel gebracht: 27. ...Tc2 28. Bg1! . Entweder tauscht Schwarz in ein remisliches Endspiel oder der Turm muss sich wieder zurückziehen.

28. Ke1







Es scheint so, dass die schwarze Initiative doch etwas verebbt ist. Noch Le3 und die beiden Einbruchsfelder für den schwaren Turm (c1 +c2) sind unter weißer Kontrolle .

Aber Schwarz aktiviert nun seine "stärkste" Figur!

28. ...Kc6!!


Im Grunde genommen ist diese Königswanderung hin zu den weißen Bauern am Damenflügel recht logisch. Aber ein psychologische Sperre könnte sein, dass man für einen Zug lang die offne Turmlinie verstellt.

29. Le3 Kb5 30. Tf2 Lg6 31. Kd2 Ka4 32. Kd1 Kb3 33. Lc1





Man kann hier deutlich erkennen, dass der schwarze Vorteil nicht nur im Mehrbauern, sondern vor allen Dingen in der größeren Figurenaktivität besteht. Alle drei schwarzen Figuren sind am Damenflügel involviert. Und das Feld c2 ist fest in schwarzer Hand!

Weiß dagegen befindet sich nach wie vor in der Verteidigung.


33. ...f6!

Entlastet den Läufer von der Verteidigung des Bauern f7

34. Tf3+

Das treibt den König nach a2, aber das ruhige Abwarten hätte auch nicht unbedingt weitergeholfen: 34. Te2 Le4 35. Tf2 Tc4! 36. Le3 ( 36. Td2?? Lf3+) Lc2+ 37. Kd2 Kxb2 und Weiß hat 2 Bauern mehr und behält nach wie vor die Initiative!

34. ...Ka2 35. Tf2 Kb1

Diese Stellung verdient wohl ein erneutes Diagramm:




Der schwarze König ist über das ganze Brett gelaufen und gemeinsam mit dem Turm wird nun der Verteidiger des Bauern b2 vertrieben. Nun beginnen die aktiven schwarzen Figuren auch noch optimal zusammenzuspielen. Die Zeit einer zweiten "Ernte" ist gekommen.

36. Lf4 Lc2+! 37. Kd2 Kxb2


Schwarz hat nun zwei Bauern mehr und nach wie vor das bessere Zusammenspiel der Figuren

38. Ld6 Le4 39. h4 h5 40. Ke3+ Kb3!?

Dies vielleicht der einzige schwarze Zug , der eine leichte Kritik verdient. Hier hätte Schwarz mit einem Turmtausch sofort alles klar machen können: 40. ...Tc2! 41. Txc2 Kxc2





Das entstehende ungleichfarbige Läuferendspiel mit jeweils einem Mehrbauern auf jedem Flügel sollte für Schwarz gewonnen sein.

Aber auch mit dem Turm auf dem Brett brauchte Schwarz nur noch wenige Züge bis zum Sieg


0:1







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