Montag, 18. Mai 2009

Akiba Rubinstein: Klares Positionsschach



Akiba Rubinstein
( wikipedia link) war der erste berühmte Schachspieler, der mich beim Nachspielen seiner Partien durch seinen Schachstil beeindruckte. Seine Züge waren von einfacher, präziser Logik und erzeugten in mir den Wunsch, einmal genau so spielen zu können wie er.

Nun beinahe 40 Jahre später habe ich dieses Ziel noch nicht ganz erreicht :-) . Es wird wohl noch mindestens 40 weiterer Jahre bedürfen. :-):-) Aber ich denke schon, dass ich mich im Laufe der Jahre etwas seinem Schachstil angenähert habe. Auf jeden Fall bin ich aber nach wie vor fasziniert von dieser Art des Schachspielens.

Er hätte wohl die Spielstärke gehabt, um zwischen Steinitz und Lasker einmal Schachweltmeister zu werden. Aber wie bei einigen anderen Großen der Schachgeschichte ist es dann aber doch nicht dazu gekommen.-


Rubinstein ist bis heute wegen seines oft kristallklaren Positionsspiel berühmt. Wie kaum ein Anderer war er in der Lage kleine positionelle Vorteile zu einem Sieg zu verdichten.

Hier nun eine Partie von ihm, die seine Spielweise recht gut veranschaulicht. Er verfährt hier nach der Methode:

1. Schwäche schaffen
2. Schwäche blockieren
3. Schwäche belagern
4. Schwäche erobern (oder eine zweite schaffen)


Rubinstein - Salwe
(Lodz 1908)


1. Schaffung der Schwäche

1. d4 d5 2. Sf3 c5 3.c4 e6 4. cxd5 exd5 5. Sc3 Sf6 6.g3 Sc6 7. Lg2 cxd4 8. Sxd4 Db6 9.Sxc6 bxc6




Dies ist nun eine Stellung mit sogenannten "hängenden Bauern" ( c6,d5) entstanden. Dies ist erst einmal noch nicht so ungewöhnlich und kann aus vielen Eröffnungen heraus geschehen.

Normalerweise erhält man für diese Schwächung der Bauernstruktur aber genügend Kompensation in Form eines freieren Figurenspiels.


Nichtsdestotrotz ist im Diagramm momentan eine Bauernschwäche auf c6 erkennbar. Es ist ein sogenannter rückständiger Bauer


2. Blockade der Bauernschwäche


10. 0-0 Le7 11. Sa4 Db5 12. Le3 0-0 13. Tc1 Lg4 14. f3 Le6 15. Lc5!



Rubinstein ist es gelungen die Bauernschwäche auf c6 dauerhaft zu blockieren. Im Folgenden nun wird er sie mit seinen Schwerfiguren belagern


3. Belagerung der Bauernschwäche c6

15. ...Tfe8 16. Tf2 Sd7 17 .Lxe7 Txe7 18. Dd4! (c5 muss verhindert bleiben) Tee8 19. Lf1 Tec8 20.e3 Db7 21.Sc5 ( erneute Blockade mit der Idealfigur dafür: dem Springer) 21. ...Sxc5 ( nicht akzeptiert) 22. Txc5 Tc7 23. Tfc2


Wir sehen, dass Rubinstein Material reduziert und den rückständigen Bauern unter Belagerung gebracht hat

4. Eroberung des belagerten Bauern

23. ...Db6 24. b4 a6 25 .Ta5 Tb8? (Tb7 war besser) 26. a3 Ta7 27. Txc6! mit klarem weißen Vorteil und späterem Sieg
1-0



Das war natürlich ein überflüssiges taktisches Übersehen des Schwarzspielers. Kommt aber recht häufig in positionellen Druckstellungen vor. Wie wäre die Partie wohl normalerweise weitergegangen?

Da sollte dann wohl die Regel anwenden:

" Kannst du eine einzige Schwäche nicht gewinnbringend ausnutzen, versuche eine zweite Schwäche zu erzeugen."

Hier vielleicht am Königsflügel eine Linie zu öffnen (beginnend mit Vormarsch des h-Bauern)

Salwe spielte noch eine weile mit einem Minusbauer weiter, aber gegen einen so hervorragenenden Endspielkönner
wie Rubinstein blieb das natürlich erfolglos.

2 Kommentare:

  1. Hallo Heiner,

    ich finde es toll, dass Du zusätzliche Schachlektionen in Deinem Blog anbietest!


    Zum Thema "Akiba Rubinstein: Klares Positionsschach" vom 18. Mai:

    Rubinstein spielt 14. f3 => Kannst Du zu der daraus resultierenden weißen Bauernstellung rund um den König ein paar Sätze sagen? Ich hätte den Zug ungern gespielt, da mir die Königsstellung arg aufgelockert aussieht (e2, f3, g3, Schwäche der dunklen Felder und eine offene e-Linie für einen schwarzen Turm). Und das alles für eine ungewisse Ausnutzung der schwarzen Bauernschwäche c6/d5? Klar hatte Rubinstein da schon Tf2, Lf1 visualisiert. Kommt mir aber überraschenderweise umständlich vor.

    Rubinsteins 21. Sc5 => Wieso wurde nicht Tfc2 gespielt? Hat er sich gedacht, dass ein Abtausch seiner idealen Blockadefigur gegen den schwarzen Springer die Ausnutzung der Bauernschwäche durch Schwerfigurenmanöver erleichtert?

    Vieler Grüße
    Gürkan

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  2. Erst mal schönen Dank für dein Lob und deinen Kommentar,Gürkan.-

    Zur ersten Frage würde ich sagen,dass f3 natürlich gespielt wurde, um den lästigen Druck von e2 abzuschütteln. Gleichzeitig nimmt man aber auch Kontrolle über das Feld e4.-

    Die gewählte Bauernstruktur(h2,g3,f3 und g3 sieht inder Tat etwas "lose" aus. Aber ein schwarzer Königsangriff ist nicht in Sicht. Vielleicht auch weil die Kräfte am Damenflügel gebunden werden.-

    Natürlich hätte man mit 21. Sc5 auch warten können. Aber warum? Die von Rubinstein gewählte Vereinfachungsstrategie ist üblich bei positionellen oder materiellen Vorteilen.

    Ein Buchtipp dazu: "Die Kunst der Vereinfachung" von Nesis (3 Bände)

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